Es ist 22 Uhr in einem großen Distributionszentrum, Beginn der Nachtschicht. Ein Mitarbeiter öffnet eine intelligente Fachanlage, um drei frisch geladene Handscanner für sein Team zu entnehmen. Das System sollte sofort erkennen, dass alle drei Geräte entnommen wurden, und das Inventar aktualisieren.
Stattdessen meldet der Scan: ein Gerät entnommen, zwei noch im Fach. Jetzt stimmt die Laderotation nicht mehr, die Schichtleitung weiß nicht mehr genau, wo sich die teuren Scanner befinden – und niemand außer diesem Mitarbeiter weiß, wo die beiden „verschwundenen“ Scanner geblieben sind.
Ein einziger technischer Fehler – und plötzlich haben viele Menschen jede Menge Mehrarbeit.
Auf dem Papier klingt es einfach, mehrere mit RFID-Tags versehene Gegenstände in einem Fach zu erfassen: Tags anbringen, ein Lesegerät einbauen, etwas Code schreiben, der die Tags zählt. Fertig.
In der Praxis ist es eine echte technische Herausforderung. Deshalb bieten die meisten Anbieter intelligenter Fachanlagen kein Multi-Read-RFID an – oder gehen stillschweigend Kompromisse ein.
Ein Fach ist klein und meist mit Metall ausgekleidet – zwei Faktoren, die Funksignale massiv stören. Legen Sie mehrere getaggte Gegenstände in eine gängige Fachanlage und versuchen Sie, sie mit einem handelsüblichen RFID-Scanner zu erfassen: Sie bekommen Funklöcher, Tag-Kollisionen und Signalreflexionen. Das Lesegerät zählt dann einen Gegenstand doppelt, übersieht einen anderen und „sieht“ etwas, das im Nachbarfach liegt.
Um das auszugleichen, setzen viele Hersteller auf die eine Technologie, die sie kennen: UHF-RFID. Sie ist vor allem für ihre große Reichweite und das schnelle Erfassen vieler Tags auf einmal bekannt. Ideal, um ganze Paletten in der Halle zu scannen. Weniger ideal für ein paar Handscanner in einer kleinen Metallschublade.
In einem großen, offenen Raum ist RFID-Scanning relativ einfach. Bringt man dieselbe Technologie aber in den geschlossenen Raum einer Fachanlage, ändert sich die Physik: Funkwellen verhalten sich dort ganz anders.
Drei technische Hürden machen Multi-Read-RFID auf engem Raum schwierig:
Weil es schwierig ist, eine zuverlässige Multi-Read-RFID-Umgebung zu entwickeln, sagen viele Anbieter einfach, dass sie nicht zuverlässig ist. Bestenfalls bieten sie Notlösungen, die das eigentliche technische Problem umgehen, statt es zu lösen – oft auf Kosten der betrieblichen Effizienz.
Viele Anbieter umgehen das Problem der Signalkollisionen, indem ihre Systeme pro Fach nur einen Gegenstand nachverfolgen. Sie können entweder ein Funkgerät oder einen Scanner einlagern, aber nicht beides. Wenn Sie beides nachverfolgen wollen, müssen Sie deutlich größere Fachanlagen mit mehr Einzelfächern kaufen und installieren.
Manche Anbieter wählen den günstigen Weg und setzen auf normale Barcode-Scanner. Das bremst die Arbeitsabläufe Ihres Teams sofort aus. Statt die benötigte Ausrüstung einfach mitzunehmen und loszulegen, müssen Mitarbeitende jeden einzelnen Gegenstand von Hand scannen. Sofern sie daran denken.
Dieser Ansatz scheitert früher oder später an Bedienfehlern, vergessenen Scans und letztlich an völlig ungenauen Inventardaten.
Manche Fachanlagen überwachen nur die Fachtür. Das System protokolliert, wann eine bestimmte Person ein Fach öffnet und schließt, und geht davon aus, dass das zugewiesene Gerät in diesem Zeitraum entnommen oder zurückgegeben wurde. Doch ein Türschloss oder ein Kartenscan beweist nicht, dass ein Gegenstand tatsächlich entnommen oder zurückgegeben wurde. Schließt jemand die Tür, ohne das Gerät zurückzulegen, verbucht das System trotzdem eine erfolgreiche Rückgabe.
Mit den branchenüblichen technischen Ansätzen lässt sich das Multi-Read-Problem nicht lösen. Nach mehreren Jahren sorgfältiger, methodischer Forschung hat ecos systems festgestellt: Dafür braucht es keine teure Technologie, sondern einen neuen technischen Ansatz mit einer anderen Art von RFID.
Viele Standardsysteme zur Nachverfolgung nutzen Ultrahochfrequenz-Tags (UHF), weil diese Technologie leicht verfügbar ist und auch in anderen Industriebereichen eingesetzt wird. Diese Anwendungen sind aber auf große Mengen und große Reichweiten ausgelegt.
In jahrelanger Forschung haben wir einen RFID-Frequenzbereich identifiziert, der sich deutlich besser für die gleichzeitige Erfassung mehrerer Geräte in Fächern eignet. Er ermöglicht gezieltes Scannen auf kurze Distanz und – mit gut entwickelter Software – eine genaue Zuordnung, welches getaggte Gerät in welchem kleinen Fach liegt.
Um physikalische Störungen durch Metallwände zu überwinden, muss die Hardware der Fachanlage an die Umgebung angepasst werden. Auch die Lesegeräte müssen so positioniert werden, dass sie optimal funktionieren. Statt ein pauschales Signal auszusenden, lässt sich das Funkfeld so formen, dass es bis in die Ecken reicht und tote Winkel beseitigt.
Hardware allein löst keine Lesekollisionen. Das System benötigt zusätzlich eigene Software mit fortschrittlicher Signalverarbeitung. Legt eine Person am Schichtende zum Beispiel einen Handscanner, ein Funkgerät und einen Ersatzakku ins Fach, muss die Software Kollisionsfehler herausfiltern, drei gleichzeitige Lesevorgänge erfassen und das Ergebnis direkt an das Management-Dashboard senden.
Das kann Jahre an Entwicklung und Tests erfordern – ein Aufwand, den die meisten Hersteller von Fachanlagen wohl nicht auf sich nehmen wollen.
Wenn Sie intelligente Fachanlagen bewerten, sollten Sie prüfen, ob das System den realen Bedingungen an Ihrem Standort gewachsen ist. Mit diesen Testszenarien finden Sie heraus, ob ein Anbieter das Multi-Read-Problem wirklich gelöst hat:
Geben Sie sich nicht mit einer Standardpräsentation zufrieden. Bitten Sie um eine Vorführung, die einen hektischen Schichtwechsel an Ihrem Standort nachstellt. Lassen Sie sich zeigen, wie mehrere Gegenstände auf einem Haufen ins Fach geworfen werden. Schieben Sie Gegenstände in die Ecken. Verliert das System bei diesen Tests einen Tag, wird es im laufenden Betrieb wahrscheinlich scheitern.
Legen Sie getaggte Gegenstände in benachbarte Fächer und prüfen Sie dann das Dashboard des Systems. Wo wird jeder Gegenstand angezeigt? Werden überhaupt beide angezeigt? Taucht eine Dienstwaffe aus Fach A in Fach B auf, hat der Anbieter seine Antennen vermutlich nicht abgestimmt oder nutzt RFID-Tags mit großer Reichweite.
Bitten Sie den Anbieter, die Technik hinter seinem Produkt zu erklären.
Ein kompetenter Anbieter kann diese Fragen klar und technisch fundiert beantworten.
Eine Fachanlage, die mehrere Gegenstände nicht zuverlässig gleichzeitig erfassen kann, schafft mehr betriebliche Probleme, als sie löst. Um Ihre Arbeitsabläufe zu schützen, brauchen Sie eine Lösung, die auf präziser, durchdachter Technik beruht – nicht auf branchenüblichen Notlösungen.
Scannt eine Fachanlage unzuverlässig, kämpft Ihr Betriebsteam zwangsläufig mit Phantombeständen. Dann muss das Management manuelle Inventuren durchführen, um fehlende Werkzeuge zu finden und das Dashboard zu korrigieren – und die Automatisierung verfehlt ihren Zweck. Wenn sich Mitarbeitende nicht auf die Fachanlage verlassen können, wird die Technik zum Hindernis statt zur Hilfe.
Ein System mit durchdachter Technik dagegen zeigt Ihnen jederzeit, wo sich Ihre Betriebsmittel befinden. Der Betrieb läuft reibungslos, weil Mitarbeitende ihre Ausrüstung ohne Wartezeit und ohne manuelles Scannen erhalten. Im Hintergrund verfügt das Management über ein genaues Echtzeit-Inventar, das exakt abbildet, was in jedem Fach liegt.